20 Jahre internationale Sprachenmesse – Ein Rückblick

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Die Expolingua als Schmelztiegel verschiedenster Sprachen und Kulturen

Rainer Krippendorff bezeichnet sich selbst als überzeugter Europäer, spricht neben Englisch auch ein wenig „Überlebens-Hindi“ und würde gern noch das rheinische Platt erlernen.

Als Mitarbeiter für die Nationale Agentur Bildung für Europa beim BiBB beteiligte er sich 17 Jahre als Betreuer am Stand der Europäischen Kommission an der Expolingua Berlin. Seit dem 31. Januar ist er ins Rentendasein eingetaucht und schaut mit uns noch einmal auf seine persönlichen, beruflichen Erfahrungen mit und auf der Expolingua zurück.

Expolingua Berlin: Würden Sie uns zunächst kurz beschreiben, wie die Nationale Agentur Bildung für Europa beim BiBB auf der Expolingua vertreten ist und welche Programme die Agentur auf der Sprachenmesse vorstellt?

R. Krippendorff: Abgesehen von ERASMUS begannen die europäischen Bildungsprogramme ihre eigentlichen Aktivitäten mit LINGUA, dem Sprachförderprogramm der Europäischen Union, im Jahre 1990. Wie es der Name bereits verdeutlicht, ging es hier um die Sprachförderung in den europäischen Staaten mit Schwerpunkt auf beruflicher Bildung.

Heute ist die Nationale Agentur Bildung für Europa beim BiBB zuständig für die europäischen Bildungsprogramme Leonardo da Vinci und Grundtvig. Auf dem Stand der Europäischen Kommission informiert sie zu diesen Programmteilen und hilft Interessierten, die Hürden bei der Beantragung von Fördermitteln zu nehmen.

Neben Referenten, die sich bei den Fachvorträgen präsentieren, waren immer auch Projektpartner auf dem Stand vertreten, um dort ihre Projekte vorzustellen.

Expolingua: Wie hat sich ihrer Meinung nach die Expolingua in den 17 Jahren, in denen sie die Sprachenmesse kennen lernten, verändert?

R.K.: Die Expolingua begann kurz nach dem Fall der Mauer am Fuß des Fernsehturms. Das Seminarprogramm wurde zu Beginn kurz gehalten. Informationen auf breiter Ebene waren angesagt. Der Stand der EU-Kommission, den die Agentur zu betreuen hatte, war einfach und bescheiden. Die Nachfrage war gleichwohl groß. Die Bedeutung der Expolingua für den europäischen Bildungsmarkt wurde von der Kommission erst später entdeckt.

Die örtliche Verlegung weg vom Fernsehturm und dem polnischen Kulturzentrum hin zur Friedrichstraße hat dem Konzept gut getan. Unter der Devise: „Alles unter einem Dach“ waren sich Referenten und Aussteller näher und konnten besser kommunizieren.

In meiner Wahrnehmung hat die Anzahl der Aussteller in den Jahren erheblich zugenommen. Waren es zu Beginn viele „große“ Anbieter, so kamen in den Jahren danach auch viele kleine Vereine und Initiativen hinzu, die auf der Expolingua ihr eigenes Programm einmal austesten wollten.

Expolingua: Was waren für Sie Highlights der Sprachenmesse?

R.K.: Was die Expolingua auszeichnete und auch heute noch auszeichnet, war das während der Öffnungszeit gleichbleibend hoch angesiedelte Interesse des Publikums. Es tauchten keine Präsidenten oder Minister auf; dafür kamen Fachleute der nationalen Sprachenszene, die über ihre neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse referierten oder aus ihrer täglichen Praxis berichteten.

Ein kleiner Magnet war die Vergabe des Europäischen Sprachensiegels in einem repräsentativen Rahmen, welcher von Zeit zu Zeit vergeben wurde.
Ein positives Erlebnis war für mich die Herkunft der Besucher, die sich aus allen Teilen Deutschlands auf den Weg zur Expolingua gemacht hatten. Welches Engagement von Menschen, die den Weg von München, Stuttgart oder Hamburg auf sich nahmen, nur um sich nach guten Möglichkeiten eines Fremdsprachenerwerbs umzuschauen!

Expolingua: Wie viele und welche Sprachen sprechen Sie selbst? Haben Sie vielleicht einen Liebling unter den Sprachen?

R. K.: Mein persönlicher Fremdsprachenhorizont ist leider eingeschränkt. Meine Fremdsprachenbasis bildet ein sechsjähriger Lateinunterricht. Das hält mich heute in Italien ganz gut über Wasser. Französisch habe ich (nach fünf Jahren Schule) auf dem Landweg nach Indien bei einem jungen Franzosen erst richtig sprechen gelernt und später beruflich intensiv nutzen können. Der einjährige Aufenthalt in Indien brachte mir ein Überlebens-Hindi ein, vor allem aber Englisch, das ich heute fließend spreche.

Gerne hätte ich noch Spanisch gelernt, aber das will ich auf dem Jakobsweg versuchen, auf dem ich im Sommer pilgern werde.

Mein Wunsch nach einer Lieblingssprache ist es, richtiges, rheinisches Platt meiner neuen Heimat (seit 28 Jahren) in Bonn-Beuel zu sprechen.

Expolingua: Wofür steht für Sie die Expolingua Berlin?

R.K.: Für mich steht die Expolingua für eine Sprachenvielfalt, die man auf so einem kleinen Stück Erde nur in Europa finden kann. Die große Anzahl der kleinen Sprachenanbieter hat mich jedes Mal fasziniert. Als ein von Europa bezahlter aber auch durch und durch überzeugter Europäer habe ich am Stand der Europäischen Kommission immer die Sprachenvielfalt hochgehalten und dazu motiviert, auch die „kleinen“ Sprachen zu erlernen. Gleichwohl war dies ein Kampf gegen die Windmühlen, denn Englisch stand natürlich immer an erster Stelle beim Erlernen einer Fremdsprache. Aber in der immer stärker werdenden Internationalisierung ist Englisch heute keine fremde Sprache mehr, sondern gehört zu unserer Allgemeinbildung dazu.

Fasziniert war ich von einigen Ausstellern, die mit großem Engagement ihre neue Idee präsentierten.

Expolingua: Würden Sie uns zum Abschluss noch ein kurzes Resümee zu 17 Jahren Expolingua geben?

R.K.: Mich persönlich hat jedes Mal und immer wieder das Interesse der Besucher nach Europa gefreut. Ungezählte Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft mit ganz unterschiedlichen Interessen und Problemen kamen auf uns zu, um nach einem Rat zu suchen. Sicherlich haben wir nicht allen helfen können, aber auf einen kleinen Pfad durch den Dschungel der europäischen Programme haben wir sie doch verweisen können.
Überrascht hat mich persönlich jedes Mal, wenn ich von Plänen hörte, die Einzelpersonen oder kleine Einrichtungen angehen wollten, wie beispielsweise eine Berlinerin, die ein internationales Jugendcamp an einem entlegenden See in Litauen organisieren wollte. Das Publikum der Expolingua war immer ein Schmelztiegel von engagierten Menschen, die über den Weg der Sprache Zugang zu anderen Kulturen suchten und ihn irgendwann bestimmt auch gefunden haben.

Eine Bestätigung meiner Tätigkeit als Standbetreuer bei der Expolingua war, wenn sich jemand nach einem Jahr zurück meldete, sich für den guten Tipp vom Vorjahr bedankte und von den Fortschritten seiner Pläne berichten konnte.

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